„Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.“

Hallo liebe Mingles!

Ich hoffe Ihr hattet ein ereignisreiches und schönes Wochenende und genießt Euren Sonntag in vollen Zügen!

Heute möchte ich auf ein ganz besonders empfindliches Thema zu sprechen kommen: Beinahe jeder hatte bereits seine eigene ganz große Lovestory, die gehörig in die Hose ging. Jedem wurde mindestens einmal im Leben so richtig schön das Herz gebrochen und verbrachte anschließend eine gefühlte Ewigkeit im Tal der Tränen.

Es wurde darüber schon so unendlich viel geschrieben, gesungen und gewehklagt. Jedes zweite Liebeslied handelt von einem oder gleich mehrerer gebrochener Herzen. Oder es wird einem indirekt angeraten, doch lieber auf Wolke 4 zu sitzen, anstatt auf Wolke 7. Es scheint als sei der Sturz von der Wolke 7 nun mal zu tief und schmerzhaft für den Interpreten dieses speziellen Songs. Wobei ich mich an dieser Stelle immer frage: Wem zum Henker reicht denn die Wolke 4? Wie langweilig ist das denn?

Love hurts
But sometimes it’s a good hurt
And it feels like I’m alive
(Incubus „Love hurts)

Weil die Thematik des Liebeskummers nie so ganz ohne Kitsch auskommt und man sich sowieso ständig dabei erwischt, doch immer wieder gerade die Songs bei Spotify auszuwählen, die einem noch einen zusätzlichen kleinen Stich ins Herz versetzen, weil man ein erbärmlicher kleiner Masochist ist, wird der heutige Blogeintrag auch mit wunderbar passenden Songzeilen gespickt. Die könnt Ihr Euch dann demnächst unter Eure Facebook Profilbilder (auf dem Ihr unfassbar fabelhaft ausseht, damit sich der Ex/die Ex nur denkt: „Och, nöö!“) tippen, für eine ganz besonders deepe Message.

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen
Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen
Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein
(Philipp Dittberner And Marv „Wolke 4“)

Wenn man „Liebeskummer überwinden“ googelt kommen zusammengefasst immer die gleichen Ratschläge: Das Heulen zulassen, sich neue Hobbies suchen, sich mit seinen Freunden austauschen, sich die negativen Seite des Ex/der Ex aufschreiben und auf gar keinen Fall (!) in Alkohol und Drogen flüchten! Wer würde so etwas verwerfliches auch nur jemals in Betracht ziehen? Und wem hätte sowas auch nur jemals geholfen?

Und Ich trinke mir mein Herz aus dem Kopf
Und ich tanze mir dich aus der Seele
Und ich atme dich aus wie den Rauch
Denn du siehst nicht wie sehr ich mich quäle
Und du ahnst nicht wie sehr ich dich brauche
Und ich flirte dich aus meinem Sinn
Und ich tanze und ich denk nich an gestern, weil ich heute nich mehr teil von dir bin
Ich trinke mir mein Herz aus dem Kopf
(Tiemo Hauer „Herz/Kopf)

Ich gehe davon aus, dass eine herzschmerzgeplagte Person eine kurze, jedoch intensive selbstzerstörerische Phase hin- und wieder einfach braucht, um den Weg zu sich selbst zu finden und womöglich auch auszuloten, was man eigentlich nicht braucht, um glücklich zu sein. Zumindest gesetzt den Fall man neigt dazu, hin und wieder in Extremen zu leben. Oder vielleicht spreche ich hier ja auch einfach nur von mir selbst und hoffe inständig, dass es anderen genauso geht.

Mit dem dicksten Schädel seit E.T aufzuwachen, einer sofortig einzuleitenden lebensrettenden Maßname des Zähneputzens die Reste des Wodkas aus dem Kiefer zu spülen und dem abartigen Drang nach einer echt fettigen Pizza und der anschließenden Frage „Was ist letzte Nacht überhaupt passiert?“ und „Wieso habe ich so viele neue Freunde auf Facebook?“, kann auch zu einem wertvollen Aha-Erlebnis führen. Wichtig ist nur, dass man früher oder später selbst die Reißleine zieht, die Abwärtsspirale nur als zeitlich-begrenzte Klassenfahrt betrachtet und nicht vergisst, was einem wirklich gut tut und voranbringt. Was das sein kann, erklären einem die Selbsthilfe-Websites auch eingehend: „Konzentrieren Sie sich auf Ihre Hobbies und Freunde! Melden Sie sich in einem Sportverein an! Lernen Sie eine neue Sprache!“ Oder man betrinkt sich einfach so oft mit seinen Freunden und flucht solange auf das andere Geschlecht, bis die Zeit die Wunden heilt. Jeder nach seiner Fasson…

In letzter Zeit beschäftige ich mich also viel mit dem Thema Schmerz. Aufgrunddessen begegnet mir die Thematik im Alltag viel häufiger als sonst, weil ich natürlich sensibilisiert darauf bin und aufhorche, sobald es darum geht. Kennt Ihr das, wenn man sich für ein bestimmtes Thema brennend interessiert und auf einmal überall darüber liest und man nicht mehr an dem Thema vorbeikommt? Und damit meine ich nicht, dass Euer Facebook Newsfeed auf einmal nur noch Artikel über Herzschmerz und „7 Methoden für den perfekten Blow Job“ anzeigt. Dafür seid Ihr selbst verantwortlich, wenn Ihr etwas ähnliches zuvor bereits gelesen habt, Ihr Ferkel!

In einer der letzten Folgen der vierten Staffel aus der wunderbar schrecklichen Serie „Orange Is The New Black“ (Oh mein Gott! Welch‘ ein Staffelfinale!) spricht eine der Protagonistinnen davon, dass sie bezüglich Schmerz zu einer hilfreichen Erkenntnis gelangt sei, die ungefähr so lautet: Der Schmerz sei immer da, weil das Leben praktisch aus Schmerz bestünde, dagegen sei Leid eine Entscheidung. Ob ich leide oder nicht, läge also in meiner eigenen Macht. Dieser Gedanke hat mich zum Grübeln gebracht. Und nach ein paar Klicks mehr, war ich insofern schlauer als vorher, da der Satz eigentlich vom Dalai Lama stammt und wörtlich übersetzt lautet: „Schmerz ist unvermeidlich, Leid ist Entscheidungssache.“ Und so schnell landet man von einer bitterbösen amerikanischen Frauenknast-Serie beim tibetanischen Buddhismus. Not bad!

Es gibt Schmerz, der kaum zu ertragen ist und in körperliche Schmerzen oder einem den Atem auf (definitiv unangenehme) Weise raubt. Schmerz hat vermutlich auch immer etwas mit dem Schock zutun. Zuerst tritt der emotionale Schock ein und die Schmerzen die darauf folgen, agieren wie die Nachwehen des Schocks. Je weiter der Schock in der Vergangenheit liegt, desto weniger können wir uns in die Situation des Schockmoments hineinfühlen und so wird auch der Schmerz immer leiser und verstummt früher oder später völlig. Im Idealfall ist das so. Selbstverständlich gibt es noch weitaus „heftigere“ Arten von Schmerz als eine unerfüllte oder enttäuschte Liebe. Solche Probleme kommen einem nichtig und klein vor, verglichen mit dem Schmerz, den Tod und Krankheit schaffen können. Auch kann man Schmerz empfinden, wenn man auf der Seite des Partners steht, der eine Beziehung beendet, weil man den anderen nicht leiden sehen möchte.

Doch gemeinsam haben alle Schmerzarten eines: Es werden mindestens zwei der selben Regionen im Gehirn aktiviert, wie bei körperlichem Schmerz. Doch diese Rezeptoren lassen sich beeinflussen und das ist ein grandioser Lichtblick an einem Tag, der bislang ausschließlich aus Sinead O’Connor Songs und Ben&Jerry’s Peanut Butter Cup Eiscreme, bestand!

I went to the doctor and guess what he told me?
Guess what he told me?
He said girl you better try to have fun
No matter what you do, but he’s a fool
‚Cause nothing compares
Nothing compares to you
(Sinead O’Connor „Nothing compares to you“)

Wissenschaftler sind sich einig: „Emotionale Bewertung durch das limbische System beeinflusst die subjektive Einschätzung der Schmerzintensität und das Leiden.“*

Wir können uns also laut dem werten Dalai Lama nicht nur bewusst gegen das Leiden entscheiden, sondern auch die Wissenschaft ist der Meinung, dass wir durch unsere Gedanken und der emotionalen Bewertung, die mit diesen einhergeht die Schmerzintensität verringern können!

Mit Freunden solange reden, bis man den gleichen Gedanken schon 25 mal zum Ausdruck gebracht hat. Feststellen, dass die anderen schon das gleiche durchgemacht haben und sich seine eigenen Mittel und Wege suchen, um mit der Sache umzugehen. Es gibt kein Geheimrezept dafür, aber es gibt durchaus tröstende Momente. Einen meiner eigenen dieser Momente möchte ich hier beschreiben:

Ich hatte mal vor vielen Jahren ein Philosophie Seminar mit dem Titel „Das Erotische Begehren“. In diesem Seminar stellten wir fest, dass die einseitige und damit unerfüllte Liebe, die einzig wahre Liebe darstellen muss. Ja, das ist wirklich so melodramatisch wie es klingt. Ist das nicht super? Es verschafft mir seit Jahren einen tröstenden Augenblick, wenn ich darüber nachdenke, dass Liebe die einfach nur ihrer selbst willen existiert, wirklich wahrhaftig ist. Sie verlangt nichts von dem Geliebten, sie verharrt nicht in einer Erwartungshaltung, sondern existiert nur ihrer selbst Willen. Und wonach könnte der Mensch sonst noch streben, als nach Wahrhaftigkeit?

Zudem macht mit der Autor Robert Betz seit einigen Jahren das Leben leichter, seitdem ich mich mit seiner Arbeit beschäftigt habe: Wenn er beispielsweise schreibt bzw. Vorträge darüber hält, dass man es schaffen kann, dem anderen zumindest auf der seelischen Ebene zu verzeihen. Das klingt sehr esoterisch und fernab der Realität und spätestens jetzt versiegt die Konzentration vieler Leser. Aber seine Theorien basieren auf nichts anderem als z.B. dem Buddhismus. Betz beschreibt, dass man sich nicht zu lange auf dieser Opferrolle des Verlassenen/Verletzten ausruhen darf. Im Sinne von: Du hast dich verliebt! Du hast die Entscheidung getroffen, dich fallen zu lassen! Oder: Du hast dich dazu entschieden, dich zu trennen!

Dir hat auch keiner eine Waffe an die Schläfe gehalten und gesagt „Du verschenkst jetzt dein Herz, sonst bist du tot!“. Verantwortung für sich selbst übernehmen, bedeutet auch, Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen zu übernehmen und nicht immer dem anderen den schwarzen Peter zuzuschieben. Ob Ihr es glaubt oder nicht, so lässt es sich in vielen Situationen leichter durch das Leben wandern. 

Und vielleicht muss man sich von Zeit zu Zeit auch einfach mal seine eigenen Fehler verzeihen, wenn man dem anderen (noch) nicht verzeihen kann.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf Euer Feedback!

Mit fröhlicher Zuversicht,
Eure Alina!

*Quelle:https://www.dasgehirn.info/wahrnehmen/fuehlen-koerper/schmerzlich-aber-unabdingbar
Der Titelsatz stammt von Sigmund Freud. 

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