Das „Wir-Monster“

Prolog

Hallo liebe Mingles,

ich versuche zwar so viel fabelhaften Content wie möglich für Euch zu generieren, aber ich muss zugeben, das Vorhaben gestaltet sich gar nicht so leicht, wenn man Vollzeit arbeitet, beinahe täglich nach Hause kommt und auf der Couch ins Koma fällt. Da können meist noch so viele Gedanken und Thesen in meinem Kopf umherschwirren, ich bin froh, wenn ich genug Schlaf bekomme und regelmäßig esse. Wenn ich auch noch selber koche, dann habe ich einen richtig guten Tag! Verzeiht also, wenn ich in so furchtbar unregelmäßigen Abständen meinen Senf in die Welt gebe, ich wünschte ich könnte jeden Tag schreiben, aber irgendjemand muss nun mal meine Miete zahlen und in meinem letzten Urlaub in Marrakesch, Marokko, konnte ich unglücklicherweise keinen gut betuchten Ehemann mit Kamel-Farm finden. Schade, Schokolade.

Ich werde jetzt nicht darüber berichten, was ich in Marrakesch gesehen habe und welche Sightseeing-Orte ich empfehlen kann, denn hierfür gibt es genügend Blogs und Bücher, jedoch möchte ich Euch meine Gefühle beschreiben, die mich in Marrakesch umgetrieben haben: Ich hatte das erste Mal seit geraumer Zeit wieder das Gefühl zu leben und nicht bloß zu existieren und habe im Anschluss ein für alle Mal beschlossen, diese Gefühlslage nicht nur zwei Wochen pro Jahr erleben zu wollen. Ich plane nun große Veränderungen in meinem Leben und meiner sogenannten „Karriere“, aber bis dahin, könnt Ihr Euch die Bilder auf meiner Instagram-Seite anschauen und Euch selbst davon überzeugen, wie glücklich man in zwei Wochen Marrakesch überhaupt sein kann! Meine Freundin Sophia und ich wurden zwei Wochen lang wie Prinzessinnen (Ein Mal pro Jahr, möchte das auch eine vollzeitbeschäftigte Feministin! Don’t hate!)behandelt und ich möchte ganz besonders darauf hinweisen, dass die Männer dort zwar gerne starren oder einen ansprechen, wir aber mit höchstem Respekt behandelt und vor allem zu jeder Zeit mit freudestrahlenden Gesichtern empfangen wurden.

Und zwar genau hier: http://www.instagram.com/instalina.89

Viel Spaß!

Interlog

Nun genug von meinen Adult-First-World-Problems, kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen! Wahrscheinlich kennt Ihr auch das Phänomen genau in der oder in einer abgeschwächten Variante­­­: Sobald die (beste) Freundin/der (beste) Kumpel in einer Beziehung steckt, wart sie/er nie wieder gesehen! Die Rosa-Rote-Brille-Phase wird auf das Höchste ausgekostet und manch eine/r ist sogar in der Lage, den Kontakt vollständig abzubrechen, weil scheinbar war man doch nicht so wichtig für den neuen Beziehungsmenschen, den man mal Freund nannte, wie man sich immer eingebildet hat. Es gibt unterschiedliche Konstellationen und verschiedenste Symptome von Beziehungen, die mit diesem Unruhestifter in der Freundschaft – der neue Partner oder die neue Partnerin des guten Freundes – einhergehen und einer Freundschaft letztendlich vollständig den Gar ausmachen können. Einige seien hier mal beispielhaft dargestellt, gespickt mit gut gemeinten Lösungsvorschlägen, da ich schon des Öfteren in genau solchen Situationen steckte und hoffe meine unbeschreibliche Weisheit mit Euch teilen zu können. Zum Thema Bescheidenheit gibt es demnächst dann noch einen Blogpost. Eventuell. Ich habe echt viele Termine!

 

Die (beste) Freundin hat einen neuen Freund – und du bist ebenfalls ein Weibchen und Single/Mingle.

Wenn wir mal ehrlich sind, leben unsere nachmittäglichen Kaffeetreffs oder abendlichen Wein-Zusammenkünfte vom Philosophieren (!) über das andere Geschlecht und welcher neue (selbsternannte) Don Juan uns denn gerade wieder den Kopf verdreht hat und warum derjenige auch schon wieder (!) massiv einen an der Klatsche hat. Dann kommt der Tag, an dem die Freundin irgendwie verändert ist und mit einer absoluten Ruhe in der Stimme verkündet: „Das isser!“ Oh weh, es ist passiert! Und natürlich freuen wir uns wie Bolle, denn wir lieben unsere Freundin mehr als unsere neuen Sneaker und die Lederjacke aus dem Sale zusammen und wünschen ihr alles Glück der Erde. Doch in manchen Frauen-Freundschaften passiert es, dass die Freundin nach der anfänglich völlig normalen Turtel-Phase mit ihrem Super-Mega-Boyfriend nicht mehr den Weg zurück auf diesen Planeten findet. Zu Anfang einer neuen Beziehung nur ein einziges Thema zu kennen und die ganze Zeit über ihren Traummann zu faseln ist völlig normal, eigentlich wunderschön und ganz natürlich. Hinzukommt, dass wir uns selbst niemals davon freisprechen können, uns ebenfalls schon so verhalten zu haben oder dies noch in naher oder ferner Zukunft passieren wird. Doch eventuell beobachtest du, wie deine Freundin langsam aber sicher zu einem furchterregenden „Wir-Monster“ mutiert, kaum mehr Zeit für ihre Freunde findet und wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit nur noch ein Thema kennt: Ihren Liebsten! Egal wie und wo, auf Toast oder anderswo. Du freust dich schon beinahe auf den Tag, wenn sie sich so richtig über ihn auskotzen will und du da sein kannst, um deinen vollkommen irrationalen Hasskick auf ihn auszukosten. Du hast deine Notizen vorbereitet, die Pro- und Contra-Liste ist an Perfektion nicht zu übertreffen, die Voodoo Puppe sieht wunderhübsch aus, die Flasche Sekt kaltgestellt und die Taschentücher hast du mit Rosenduft besprüht. Doch unter gewissen Umständen bedeutet ihr Verhalten nur noch eines für Eure Freundschaft: Es ist vorbei und du bist urplötzlich allein allein. Und nun?

Lass dir bitte gesagt sein: Wenn deine Freundschaft echt ist und deine Freundin dich beinahe genauso sehr liebt wie ihren Partner, dann findet sie früher oder später den Weg zu dir zurück. Lass sie gehen und beobachte im Stillen, wie sie sich zum Hampelmann macht, rede dir selbst ein, dass du dich niemals so verhalten wirst (Süß! Träum weiter!), aber lass dich auf gar keinen Fall ausnutzen! Zeig deine Grenzen freundlich, aber bestimmt auf. Sie ist gerade nicht Herr ihrer Sinne, aber wenn du ihr wichtig bist, kommt sie bald zurück auf diesen Erdball und erkennt, dass eben nur du sie so verstehst, wie sie es braucht hat, um vollends glücklich zu sein.

Sollte die Freundschaft in die Brüche gehen, dann ist das nun mal eben so und du wirst auch über diesen Schmerz hinwegkommen. Manche Menschen begleiten uns unser ganzes Leben lang und andere sind nur Teil einer ganz bestimmten Episode und das ist auch vollkommen in Ordnung! Das heißt nicht, dass Eure Freundschaft gescheitert ist, sondern ausschließlich, dass sie nicht für die Ewigkeit gedacht war. Nimm die Erfahrungen aus Eurer gemeinsamen Zeit mit und freu dich über das, was du von deiner Freundin lernen konntest und wenn es nur ein perfekter Lidstrich war! Groll zu hegen macht dich nicht glücklicher und dazu auch noch Falten!

Dein Kumpel hat eine neue Freundin und bist ein weiblicher Single/Mingle.

Ganz, ganz miese Kombination… Aber warum? Ihr seid doch nur Freunde und es sollte doch völlig irrelevant sein, ob du weiblich oder männlich bist?! Sind Freundschaften zwischen Mann und Frau überhaupt möglich? Wollen wir Harry und Sally dazu befragen oder einfach mal wild spekulierend von der Tatsache ausgehen, sie seien möglich? Für dieses Projekt gehen wir einfach mal leichtgläubig von der zweiten und etwas gewagteren These aus.

Ich konnte es zwar selbst nicht ganz glauben (dass ich so dämlich war!), aber eine Freundin hat mich erst vor Kurzem darauf aufmerksam gemacht (Danke, Anita!), weil ich mich ständig darüber echauffiert habe, dass ich nichts mehr von Kumpels höre, die neuerdings eine Freundin haben. Durch Anitas Rat hat etwas in mir Klick gemacht und ich habe mich gefragt, wie ich die ganze Zeit nur so naiv sein konnte! Also entweder war Eure Freundschaft von vorneherein kompletter Murks oder Monsieur hat sich in der Zeit Eurer angeblichen Freundschaft nur mit der „Friendzone“ zufrieden gegeben, weil er eigentlich nur darauf gewartet hat, dass du endlich aufwachst und dich ihm voll und ganz hingibst! Deshalb hat er jeden Typen kritisiert, den du kennengerlernt hast, deshalb stand er zu jeder Tages- und Nachtzeit vor deiner Tür, wenn du ihn gebraucht hast. Und du dachtest, deine Freundschaft ist ihm wichtig aufgrund Eurer küchenpsychologischen und tiefenphilosophischen Gespräche.

Auf so einen „Freund“ kannst du verzichten, weil er den Mut nicht aufbringen konnte zu sagen, was er wirklich will und es eventuell nicht mal selber verstanden hat. Das war  aller Wahrscheinlichkeit nach leider keine richtige Freundschaft.

Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, dass die neue Freundin deines Kumpels dich hasst, weil du nicht aussiehst wie ein Eimer (Entschuldigung an die hübschen Eimer dieser Welt!) und auch noch etwas im Kopf hast. Er ist dann zu allem Überfluss auch noch ein gewaltiger Lauch ohne Willensstärke und gibt sein gewohntes Leben und bestimmte Freundschaften auf, um einer Frau gerecht zu werden, die zu schwach ist, mit einer anderen halbwegs attraktiven Frau zu konkurrieren, sei es nur um die Aufmerksamkeit deines Kumpels bzw. ihres Lebensabschnittgefährten. So einen Kindergarten hast du nicht nötig! Strich darunter und ab dafür!
Wenn du tatsächlich an der Situation zerbrichst, kannst du auch vorsichtig anfragen, warum er keine Zeit mehr für dich hat. Doch wenn er nicht den Mut hat, endlich Tacheles zu reden, dann vergiss ihn und seine Angebetete einfach. Das sind dann auch die Männer/Menschen, die sich direkt wieder melden, wenn sie Single sind á la „Hey! Naaa?! Bock am Wochenende was trinken zu gehen?“. Und wenn dieser Tag kommt, wirst du darüber lachen können. Denn wir wissen: Karma is a bitch!

Epilog

Es gibt sicherlich noch viele weitere Konstellationen, in denen es interessant zu betrachten wäre, wie sich Dynamiken in Freundschaften verändern und warum sie dies tun. Wie reagieren männliche Kumpels aufeinander, wenn der eine Kumpel in einer Beziehung steckt und der andere subjektiv betrachtet völlig vernachlässigt wird?
Ich bin der Meinung, dass Männer untereinander teilweise andere Freundschaften pflegen und ich muss zugeben, dass ich immer ein wenig neidisch war, dass Männerfreundschaften in vielen Situationen einem anderen Rhythmus folgen: Männer können sich klischeehaft betrachtet „auf’s Maul hauen“ und hinterher ein Bier zusammen trinken, weil letztendlich verstehen sie sich nach wie vor als Brüder. Manche Frauen, die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe, gehen mit ihren Freundschaften weniger pfleglich um, als ich es bei Männern untereinander beobachte. Oder Kerle sind halt einfach weniger anspruchsvoll und deshalb auch nicht so schnell zu enttäuschen. Schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare, ich bin neugierig, was Ihr darüber denkt!

 

Eure Alina

 

Photo source: http://data.whicdn.com/images/14219261/large.jpg

 

3 Gedanken zu “Das „Wir-Monster“

  1. Sehr schön Geschrieben liebe Alina!
    Ich habe auch nichts anderes Erwaret, ich glaube du triffst bei einigen Punkten, wir sagt man so schön
    „Den Nagel auf den Kopf“

    Auch ich kenne die Konstellation Beste Freundin hat ein neuen, und meldet sich daher eher Sporadisch mit kurzen Sätzen via Whatsapp, wie zB:
    Heyyy wir müssen unbedingt mal wieder auf ein Konzert oder ein Kaffee trinken gehen! Das Fehlt mit einfach so…
    Und was ist dann? Zwei Wochen keine Wort mehr von ihr gehört bis die Ausrede kommt:
    „Ich hab soo viel um die Ohren sorry“
    Blablabla…
    Wenn es deinem Neuen Freund nicht passt das du eine Freundschaft, die schon ein Paar Jahre anhält nicht pflegen darfst, dann sag es doch einfach anstatt immer wieder rumzudrucksen. Ich bin der letzte der es übel nehmen würde, Schwöre ✌🏻.

    Ebenso gut kenn ich die Konstellation, der Beste Freund hat nun eine Freundin..

    Anfangs habe ich mich für beide sehr Gefreut denn Sie ist wirklich eine Tolle Frau und Sie passt zu Ihm.
    Doch als beide zusammen zogen ging es los, man sah sich kaum noch, außer Kurzer Smalltalk nicht viel los. Als sie dann in eine Andere Stadt gezogen sind, 20km „weiter weg“ wusste man schon worauf es hinauslaufen wird. Und siehe da, nach fast 20!!!! Jahren Freundschaft ist wird man eiskalt Abserviert, Tschau Danke machs gut.

    Aber wie du Bereits Sagtes, solche Menschen sind es einfach nicht wert!
    Ich erfreue mich an denen die ich habe, darunter Zählst auch du! Ja du Alina, auch wenn du Zwischen Hanover, Nordhorn und dem Rest der Welt umherwanderst, weiß ich das wir uns eines Tages wieder Sehen, und wir trotz unregelmäßiger Unternehmungen, eine gute Zeit bei Kalten Getränkten und guten Gesprächen haben werden!
    Wie in den alten Zeit der BMX Masters !

    P.s Deine Armreifen hast du wahrscheinlich immer noch nicht gefunden oder? 🖖🏽

    Gefällt mir

    1. Mr. Trekki, danke für deinen ausführlichen Kommentar! Es freut mich, wenn jemand was mit meinen Texten anfangen kann und sich darin wiederfindet. Es ist schon krass, wenn Freundschaften einfach so zu Ende gehen… Es sticht manchmal noch Jahre später ein bisschen in der Herzgegend. :/
      Und ja, wir werden uns irgendwann ganz bestimmt wiedersehen! Ich habe Anfang Dezember einen Trip in den Pott geplant. Vielleicht lässt sich da ja was regeln? :))

      Bleib so toll und aufmerksam wie du bist!

      PS: Diese Armreifen… ich weine jeden Tag!

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    2. Hey 🙂

      Ich bin ganz zufällig über diesen Blog gestoplert, als ich nach der Bedeutung des (ich glaube, Berliner) Ausdrucks „Schlüpper hoch!“ gegoogelt habe 🙂

      Sehr schön geschrieben, und so wahr. Nachdem ich ein paar Jährchen älter bin als 28, muss ich Euch insofern schockieren, daß meiner Erfahrung und Beobachtung zufolge das beschriebene Phänomen mit zunehmenden Jahren immer verbreiteter wird; mit einem sprunghaften Anstieg, wenn dann noch regelmässiger Job und Kinder, vielleicht gar noch Hausbau dazu kommen.

      Und dann schrumpft der Kreis der ehemals engen Freunde, , welche sich noch melden, oder Kontaktversuche beantworten (mit denen man früher die wildesten Sachen angestellt hat!), wie in einem Agatha-Christie-Krimi runter, bis ein Überlebender übrig bleibt – ich. Also Ihr 🙂

      Tut dann nichts zur Sache, wenn einer der allerbesten Freunde im gleichen Häuserblock wohnt, und ein anderer 10 Gehminuten entfernt, mit zwei Wirtshäusern, einem Oub und einem Café dazwischen….ein Bier zwischendrin, jederzeit!! Aber Dienstag, Nein, leider…Donnerstag? Auch nicht…jetzt? Nein, wir kochen gerade….Schade, ein andermal […Jahre später..]

      Nach einigen Gesprächen bin ich mitunter überzeugt worden, dass viele einfach wirklich nicht die Kraft, Energie, den Erlebniswillen nach ihren täglichen Pflichten übrig haben, um neben ihrem Partner noch anderen Zeit widmen zu können.

      Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit….

      Ordentlich in Angst versetzt? Gut. Moral: Bemüht Euch, zu erhalten, was sich lässt, manchmal über Eueren Schatten zu springen – ich hoffe, es geht Euch dann besser, als mir.
      Natürlich lerne ich dauernd neue, auch nette Leute kennen – aber es ist einfach nicht das gleiche, wenn man Gewisses nicht gemeinsam erlebt, geteilt hat; keine tiefergehende Geschichte hat.

      Mit diesen Worten schliesse ich mein morbides Wort zum Dienstag, und wünsche Euch ein erfülltes Leben! Carpe Diem, Jungs, Mädels 😉

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